Wer wir sind

Erste Veröffentlichung am 22.2.2020, bearbeitet am 17.06.2020

Wir sind Inkasso-Interessierte Menschen, die viele seriöse Inkassounternehmen aus eigener beruflicher und privater Erfahrung kennen. Zwei “besondere” Erlebnisse machten uns aber vor zwei Jahren deutlich, dass es auch ganz andere Inkassobüros gibt: 

Best of Inkasso, Teil 1 – Fitnessstudio 

Vor etwas mehr als zwei Jahren hab ich mein Fitnessstudio gewechselt und den alten Vertrag gekündigt. Studioleitung und ich waren uns nicht ganz einig, ab wann genau die Kündigung wirksam ist. So dass nach einigen Briefen das Fitnessstudio ein Inkassounternehmen aus Hamm mit der Geltendmachung der “Forderungen” aus dem Fitnessvertrag beauftragt hat. Und zwar mit der üblichen Drohkulisse (Schufa-Eintrag, Mahn- und Vollstreckungskosten, Gerichtsvollzieher, usw.). Ich streite mich nur ungern wegen solchem Kleinkram rum. Aber Inkasso (und Studio) waren derart unverschämt, dass mir irgendwann die Lust verging, mich zu einigen. Denn nach meiner Meinung gab es die “Forderungen” ja nicht. Das war nach unserem Schriftverkehr auch dem Betreiber des Fitnessstudios und dem Inkassounternehmen bekannt. Inkasso und Studio hätten mich also verklagen können. 

Haben Sie aber nicht. Statt dessen bekam ich plötzlich Post von meiner Hausbank, die sämtliche Karten, Konten und Dispokredite Anfang Dezember mit Zweiwochenfrist kündigte. Überraschung! Kurz vor Weihnachten mal eben etwa zwanzigtausend Euro zurückzahlen zu dürfen, fand ich nicht gut. Der Grund für die Kündigung noch weniger: Das Inkassounternehmen aus Hamm hatte nämlich seine Drohung wahr gemacht und eine Negativeintrag bei der Schufa angemeldet. Nicht cool. Und auch nicht legal. 

Wenig später kam der Mahnbescheid, und das Ganze ging vor Gericht. Das Landgericht stellte nach kurzer Zeit mit – mittlerweile rechtskräftigem – Urteil fest, dass 

  • Das Inkassounternehmen weder die angebliche Forderung (vom Fitnessstudio) noch irgendwelche Inkassokosten gegen mich geltend machen kann
  • Das Inkassounternehmen die Schufa-Meldung sofort löschen lassen muss 
  • Das Inkassounternehmen sämtliche Schäden zu ersetzen hat, die mir durch die Schufa-Meldung entstanden sind

Fairerweise musste ich im Gerichtssaal einige Male an das WM-Halbfinale Deutschland-Brasilien 2014 denken. Lief nicht soo gut für das Inkasso, der Gerichtsprozess. Mein Mitleid hielt sich aber in Grenzen. Zähneknirschend hat das Inkassounternehmen nach dem Urteil alles zurückgenommen und gezahlt. 

Alles wieder gut? Na ja. Das war echt ein ziemlicher Aufwand, bis wir das Urteil hatten. Und mein Anwalt hat sich da (auch aus persönlichen Gründen) ziemlich ins Zeug gelegt. Man fragt sich schon, was eigentlich Leute machen, die keinen super Anwalt haben, der sich engagiert mit solchem “Kleinkram” (aus Sicht des Anwalts) beschäftigt? Und was macht ein solche Inkasso-Vorfall mit der Bonität (Schufa-Score) von Leuten, die sich nicht wehren? 

Übrigens haben sich weder die Staatsanwaltschaft noch das zuständige OLG als Aufsichtsbehörde noch der Landesbeauftragte für Datenschutz für diese Geschäftspraktiken interessiert. Weil das wahrscheinlich nur ein Einzelfall war. Ein Betriebsunfall sozusagen. Oder? 

Best of Inkasso, Teil 2 – Router-Rückgabe

Etwa ein Jahr später flattert ein weiterer Inkasso-Brief ins Haus (nein, eigentlich ist das nicht normal bei uns). Diesmal wollte ein großer Internet Service Provider eine überraschend hohe Summe Geld für einen uralten Router haben, den ich Jahre vorher erhalten und angeblich nicht zurück gesandt hatte. Hatte ich aber wohl – und konnte das auch noch beweisen. Versehentlich den Paket-Einlieferungszettel für die Rücksendung aufgehoben. Blöd. Für den Internet Service Provider. Also Glück gehabt und Thema erledigt? 

Natürlich nicht. Es folgte: Ein weiteres Inkassoschreiben. Und noch ein Brief vom Inkasso. Und noch einer. Einer nach dem Anderen. Mit immer neuen Drohungen und höheren Kosten. Keiner der Briefe hat sich inhaltlich auch nur am Rande mit dem Umstand auseinandergesetzt, dass ich den verf***ten Router lange vorher zurückgeschickt hatte und es deswegen auch keine Forderung gab. Und damit auch keine Inkassoforderungen, Schadensersatz, Zinsen, Gründe für eine Schufa-Meldung, Lohnpfändungen, Hausbesuche und sonstiges großes Feuer. 

Das hat Inkassounternehmen #2 natürlich nicht davon abgehalten, mir alle paar Wochen einen neuen Liebesbrief zu schicken. Und irgendwann – endlich – den Mahnbescheid. Dem ich dann widersprochen habe. Jetzt hätte das Ganze eigentlich vor Gericht gehen sollte. Ging es aber nicht. Stattdessen folgten: Weitere Schreiben vom Inkasso, dass ich doch mal endlich meinen Widerspruch gegen den Mahnbescheid zurücknehmen und den ganzen Spaß bezahlen sollte. 

Irgendwie kamen meine Freunde vom Inkasso und ich also nicht weiter. So dass letztlich ich das Inkassounternehmen verklagt habe. Um gerichtlich festzustellen, dass es keine Forderung gibt (ja, das geht). Das wäre die Gelegenheit für das Inkasso gewesen, endlich mal zu zeigen, wie man Geld eintreibt. 

Stattdessen haben die Freunde vom Inkasso: Einfach anerkannt, dass sie keine Forderung gegen mich haben. Kampflos – wahrscheinlich, um eigene Kosten zu sparen. 

Warte mal. Die behaupten monatelang, Geld von mir kriegen zu müssen. Ein Brief nach dem anderen mit wüsten Drohungen. Dann geh ich vor Gericht –  und die Sportsfreunde geben sofort zu, dass es keine Ansprüche gibt? Hatten die das Bestehen der Ansprüche eigentlich vorher zumindest mal auf Plausi geprüft? Und was machen Leute, die so einen Paketzettel irgendwann weggeworfen haben (so wie ich das normalerweise auch machen würde) und eben nicht beweisen können, dass sie die Leihgeräte zurückgegeben haben? Die keinen Anwalt haben, der sich mit solchem “Kleinkram” befasst? Wahrscheinlich zahlen die einfach. Natürlich den Neupreis des Routers und nochmal etwas genauso viel an “Inkassokosten”. Fairer Preis für einen Haufen Elektroschrott… not.

Das war dann echt too much. Nach dem “Router Incident” haben wir uns im Bekanntenkreis umgehört. Und festgestellt, dass solche Dinge häufiger vorkommen, als wir dachten. Und das hier durchaus „Aufklärungsbedarf“ besteht. Z.B. glaubten viele, dass ein Inkasso Brief gleich einen Schufa (Negativ-) Eintrag bedeutet. Die wenigsten wussten, was man bei einem Inkassoschreiben tun sollte. Oder welche Inkasso- und Mahngebühren rechtens sind, und wie man sich gegen offensichtlich ungerechtfertigte Inkassogebühren wehren kann.

Wir haben dann angefangen, diese Seite zu befüllen. Mit verständlichen Informationen, Tipps, Mustern usw. – um sich gegen offensichtliche Fälle von “Bauernfängerei” selber wehren zu können.

Es geht uns nicht um undifferenzierte Inkassoabwehr. Berechtigte Forderungen musst du (natürlich) bezahlen. Wenn du das verpeilst und dein Internet Service Provider, dein Online-Händler usw. dann ein Inkassounternehmen beauftragt, musst du in Deutschland grundsätzlich auch diese Kosten tragen. Ist so (in welche Höhe ist dann noch die Frage). 

Last, but not least: Auch wenn einige Autoren hier einen juristischen Background haben, handelt es sich hier nicht um Rechtsberatung, sondern um rein redaktionelle Inhalte unseres “pet projects”.

Weiterführende Informationen: 

Hinweis: Bei unseren Blogbeiträgen handelt es sich um rein redaktionelle Inhalte, die keine Rechtsberatung darstellen.

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