Kann man Inkassounternehmen verklagen?

Immer wieder werden wir gefragt, ob man ein Inkassounternehmen eigentlich auch selber verklagen kann – z.B. wenn nach dem fünftzehnten Drohbrief die Nerven blank liegen, oder du Angst hast, dass das Inkasso eine bestrittene Forderung – widerrechtlich – bei der Schufa als Negativeintrag anmeldet.
Klare einsilbige Antwort: „Ja“ – kannst du. Das bringt aber nicht immer was, und kann wegen der Gerichtskosten auch nach hinten losgehen. Was du beachten musst, findest du in diesem Blogartikel.

Kennst du die Situation: Du hast etwas bestellt und zurückgeschickt, oder einen Router nach Vertragsende brav zurückgeschickt – trotzdem kriegst du erst Mahnungen und dann Post vom Inkasso? Passiert leider immer wieder. Selbst wenn du einer fehlerhaften Rechnung begründet widersprochen hast, setzen sich weder das Unternehmen noch das später eingeschaltete Inkassobüro mit deinen Einwendungen auseinander.

Fairerweise ist in einem massenhaften Mahnprozess auch gar kein Personal dafür da, sich mit Kundenbeschwerden zu beschäftigen. Dein Widerspruch wird also vom Unternehmen einfach ignoriert. Das setzt sich dann beim Inkassobüro nahtlos fort. Auch das nimmt leider oft keine Überprüfung der bestrittenen Rechnung vor, sondern will nur dein bestes: Dein Geld! Statt sich mit deinem Widerspruch auseinander zu setzen, schickt es dir einen Brief nach dem anderen. Und droht dabei oft mit potenziell eher unangenehmen Dingen (Schufa-Negativeintrag, Klage, Gerichtsvollzieher, Haft, Hausbesuche, usw.).

Was kannst du also tun?

(Nicht) einfach zahlen

Viele Menschen lassen sich einschüchtern und zahlen irgendwann einfach – auch wenn die Ausgangsforderung gar nicht besteht! Aus Furcht vor Gerichtsverfahren, weiteren Kosten und nicht zuletzt dem Schufa-Negativeintrag. Das raten wir dir natürlich nicht.

Warten auf den Mahnbescheid

Andere warten, bis der gerichtliche Mahnbescheid vorliegt. Denn dem Mahnbescheid kann schnell und effektiv widersprochen werden. Im einfachsten Fall setzt du im Widerspruchsformular, dass dem Mahnbescheid vorliegt, ein Kreuz an der Stelle „Ich widerspreche dem Anspruch insgesamt“, trägst Namen und Adresse ein und unterschreibst. Dann nur noch frankieren und per Post an das Mahngericht versenden. Jetzt ist der Ball wieder in der Spielfeldhälfte des Inkassobüros. Die müssen das Verfahren jetzt gerichtlich fortsetzen (Wie es dann weitergeht, erfährst du hier).
Allerdings versuchen sie einige Inkassobüros, statt dessen, dich zur Rücknahme deines Widerspruch zu bewegen. Das solltest du natürlich gut überlegen. Weitere Details findest du hier.

Inkassounternehmen verklagen?

Andere fragen sich, ob sie den „Spießt nicht umdrehen“ können und einfach das Inkassounternehmen verklagen. Und ja: Das geht. Mit der „negativen Feststellungsklage“ kannst du ein Gerichtsurteil erzielen, das feststellt, dass eine vom Inkassounternehmen behauptete Forderung nicht besteht. Du klärst die Situation und erhälst Rechtssicherheit. Denn dadurch, dass du das Inkassounternehmen verklagst, zwingst du das Inkasso, endlich zur Sache zu kommen und die Forderung zu beweisen.

Allerdings kostet ein Gerichtsverfahren u.U. viel Geld und schafft fairerweise auch für dich Beweisrisiken. Wir haben solche Klagen schon selber erfolgreich gemacht, raten aber nur im Ausnahmefall zur „negativen Feststellungsklage„. Z.B. wenn du Angst um deine Schufa hast, der Druck vom Inkasso zu groß wird, oder ein Abwarten auf Mahnbescheid oder Klage des Inkassos sonst nachteilhaft wäre. Auch wenn die Komplexität einer solchen „negativen Feststellungsklage“ eigentlich gering ist, brauchst du trotzdem in der Regel einen Anwalt (hast du Rechtsschutzversicherung, die auch zahlt?). Außerdem musst du dir relativ sicher sein, dass die Forderung wirklich nicht besteht. Du musst zwar nur beweisen, dass das Inkasso behauptet hat, eine Forderung dir gegenüber zu haben. Die Darlegungs- und Beweislast für den angeblichen Anspruch liegt beim Inkasso. Wenn die allerdings doch beweisen können, dass es die Forderung gibt, verlierst du und trägst die Kosten. Vielleicht ist Abwarten auf einen Mahnbescheid doch besser?

Hinweis: Bei unseren Blogbeiträgen handelt es sich um rein redaktionelle Inhalte, die keine Rechtsberatung darstellen.

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