Vorsicht vor Inkasso Kosten bei Kleinstraten

First published on 02/12/2019, edited on 04/24/20 20

Ein großes “Problem” beim Forderungsmanagement durch Inkassounternehmen ist der Umstand, dass sich selbst kleinste Beträge durch die Abgabe an ein Inkassobüro auf Grund der Inkasso Kosten vervielfachen können. Bei Vergleichsvorschlägen und Kleinstraten können geringe Forderungen hohe Inkassogebühren verursachen. Durch die Vereinbarung von sogenannten “Angstraten” können Inkassounternehmen eine “zweite Ernte” erzielen. Dabei werden bei zahlungswilligen Menschen unverhältnismäßig hohe Inkasso Kosten verursacht. Das hat auch die Bun­des­re­gie­rung richtig erkannt. Ver­brau­cher sollen in Zukunft besser vor zu hohen In­kas­so­kos­ten geschüt­zt werden. Ein Ge­setz­ent­wurf vom 22.04.2020 soll In­kas­so­ge­büh­ren ­senken und für mehr Trans­pa­renz bei Ver­brau­chern sor­gen. Ob das Gesetz das Problem der „Angstraten” beseitigen wird, bleibt abzuwarten. Wir haben da ehrlicherweise Zweifel. 

“Angstraten” und “zweite Ernte” 

Die Inkassobranche steigert ihre Umsätze von Jahr zu Jahr – auch durch das Erzeugen von Gebühren, die aus Sicht des Empfängers eines Inkassoschreibens echt keinen Sinn machen. Ein bekanntes Beispiel dafür sind die sogenannten “Angstraten”, die in der Branche auch oft als “zweite Ernte” bezeichnet werden.

Bedeutet konkret: Ein eigentlich zahlungsunfähiger “Schuldner” wird so lange unter Druck gesetzt wird, bis er einer Kleinstraten-Vereinbarung zustimmt. Der “Schuldner” zahlt diese Kleinstraten, die sein verfügbares Einkommen mindern. Die Raten tilgen aber die eigentliche Hauptforderung oft kaum, sondern verursachen ihrerseits neue Kosten für den “Schuldner”. Dabei stehen die geforderten Gebühren oft in keinem Verhältnis zum tatsächlichen Aufwand und zur Höhe der Forderung. Teilzahlungsvergleich, Bearbeitungsgebühr, Kontoführungsgebühren und Verzugszinsen führen z.T. dazu, dass die Gesamtforderung (Kosten und Hauptforderung) sich durch die Zahlungen nicht vermindert , sondern erhöht – ein Teufelskreis!  Möglicherweise sind einige  Inkassounternehmen auch nicht besonders an einer vollständigen Begleichung der Schulden interessiert, denn ohne erste Ernte gibt es auch keine “zweite Ernte” .

In Zukunft muss nach dem neuen Gesetzentwurf ein Inkassounternehmen bei Stundungs- oder Ratenzahlungsvereinbarungen zumindest zuvor in Textform auf die dadurch entstehenden Inkasso Kosten hinweisen. Ob das wirklich ausreicht, bleibt abzuwarten. 

Was kann man tun (und was sollte man vermeiden)? 

Nicht (einfach) zahlen – vor allem nicht einfach ohne Begründung einen Teilbetrag bezahlen. Das würden viele Inkassounternehmen als Anerkenntnis werten und gleich weitere Inkassokosten “auf die Rechnung setzen”. 

Keine Ratenzahlungsvereinbarung unterzeichnen – Inkassounternehmen schlagen oft solche Ratenzahlungsvereinbarung vor, um eine Forderung „in Raten abzuzahlen“. Erstens kann das als Anerkenntnis gewertet werden. Zweitens löst das eine Einigungsgebühr aus, da du dich “unter Mitwirkung des Inkassounternehmens” über “deine” Ratenzahlung geeinigt hast. 

Keine “Kleinstraten” vereinbaren – Diese können die Inkasso Kosten in die Höhe treiben. Wie oben dargestellt, berechnen Inkassounternehmen oft so hohe Inkassogebühren, dass die Forderung trotz der Ratenzahlung immer höher wird. 

Nicht „einfach mal irgendwas überweisen“ – jedenfalls nicht, ohne im Überweisungsauftrag anzugeben, wieviel du wofür zahlen wirst. Also festlegen, “worauf” du zahlst (das ist wichtig). Immer die “Verwendungsreihenfolge” angeben: Dazu im Verwendungszweck der Überweisung neben dem Aktenzeichen usw die „Verrechnungsreihenfolge“, also normalerweise „Hauptforderung-Kosten-Zinsen“ eintragen.

Nichts unterschreiben – außer, du hast es genau verstanden.

Nicht einschüchtern lassen – Drohungen mit Schufa, Gehaltspfändung und Gerichtsvollzieher sollen dich nur zur Zahlung bewegen. Siehe dazu unsere Blogartikel hier.

Weiterführende Hinweise Inkasso Kosten 

 

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