10 Zeichen für Abzockversuche

Die meisten Inkassounternehmen sind komplett seriös und arbeiten mit legalen Mitteln, um die Forderungen ihrer Kunden einzutreiben. Sie halten sich an geltendes Recht, sind ordnungsgemäß registriert und versuchen auf konstruktive und sachliche Art, Forderungen auszugleichen. Aber es gibt Ausnahmen. Von unseriösen Inkassobüros, die Geld mit strafbaren Drohungen eintreiben, bis hin zu Bandenbetrügern, die frei erfundene Forderungen mit falschem Inkassobriefkopf geltend machen.
Auf dieser Seite gibt’s Antworten auf folgende Fragen:  Handelt es sich bei dem Inkassounternehmen, das dir schreibt, um ein seriöses Inkasso oder um einen Fall von Inkasso-Betrug (“Abzocke”)? Vor welchen (falschen?) Inkassounternehmen warnen Verbraucherschützer?

Die folgenden 10 Checkpunkte können Anhaltspunkte dafür liefern, dass das Inkassounternehmen, das dir grade schreibt, nicht seriös ist.

Wie wird die Forderung geltend gemacht?

1. Die Inkasso Nachrichten kommt per Email: Das ist häufig “Spam”. Vor allem, wenn die Nachricht von einer “ungewöhnlichen” E-Mail-Adresse stammt, aus der Anrede erkennbar ist, dass der Versender außer deiner E-Mail keinerlei Daten über dich besitzt und seine Mail in schlechtem Deutsch/Englisch in Betreff und Text der E-Mail schreibt. Fehlenden Aktenzeichen, Auftraggeber, Forderungsgründe sprechen ebenfalls nicht dafür, dass das Inkasso seriös ist.
Achtung: Wie immer bei Spam-E-Mails gilt: Keine Anhänge öffnen oder Links anklicken. Auch “Inkassobriefe” per SMS / Whatsapp sind übrigens häufig “Spam”!

Um was für eine Forderung handelt es sich?

2. Typisch für Betrug ist es natürlich, wenn die Forderungen aus der Luft gegriffen sind. Häufig geht es auch um Gewinnspiele, Abos oder Erotikdienste. Und ähnlichen Angeboten. Und du nimmst wahrscheinlich schon seit Jahren an keinen Online-Gewinnspiel mehr teil… 

3. Du kennst den Vertragspartner nicht bzw. hast dort schon seit Jahren keine Verträge mehr. Oder zumindest sind dir der konkrete Vertrag oder die Forderung komplett unbekannt 

4. Das “Inkasso” kennt die Forderung auch nicht – oder dich als vermeintlichen “Schuldner”. Anhaltspunkte können sein, wenn dein Name falsch geschrieben ist, du im Brief als „Herr“ bezeichnet wirst (und du eine Frau bist), Vorname und Nachname verwechselt werden, usw. Oft fehlen auch Aktenzeichen, Auftraggeber, Forderungsgründe oder die sonstigen Daten im Anschreiben sind komplett unstimmig. Z.B., wenn die Zahlungsfrist schon lange abgelaufen ist. 

Wo sollst du das Geld hinschicken? 

5. Verdächtig wird’s auch, wenn der Empfänger der Zahlung in Bulgarien, Rumänien oder Mazedonien ansässig zu sein scheint (Sorry, liebe Freunde aus Rumänien – ist leider Fakt). Erkennt man natürlich an der Empfänger-IBAN – Rumänien beginnt mit RO, Bulgarien mit BG)

6. Die angebliche Forderung soll in Bar (also Cash per Postbrief), per Amazon-Gutschein oder als Bitcoin bezahlt werden (leider keine Scherze – dafür aber klare Anzeichen für “Abzocke”)

7. Der Absender ist in Deutschland nicht als Inkassounternehmen registriert.  Nur registrierte  Firmen oder Rechtsanwälte dürfen Inkasso betreiben. Ob eine Registrierung vorliegt, kann man unter dem “Rechtsdienstleistungsregister” online prüfen:

rechtsdienstleistungsregister.de

(dort die „Onlinedienste“ anklicken, dann „rechtsdienstleistungsregister“).
Andererseits bedeutet die Registrierung nicht zwingend Seriosität von Schreiben und Forderung. Betrüger missbrauchen die Namen registrierter Inkassounternehmen. Daher bitte auch dann weiter checken, wenn du den Namen des Anbieters im Rechtsdienstleistungsregister erscheint!

Wenn du das Unternehmen nicht unter dem “Rechtsdienstleistungsregister” online findest, schau bitte nochmal: Gibt es eventuell ein ganz ähnlich firmierendes Unternehmen? Oder macht das Inkassounternehmen eigentlich eine Forderung, die es gekauft hat, als “eigene” Forderung geltend (Factoring)?

8. Deine Internetrecherche zum Absender bringt nur Einträge mit “Achtung Betrug” oder ähnlich. Auch das in der Regel kein Hinweis, dass das Inkasso seriös ist. Also einfach mal googeln. 

Wie ist der Ton des Schreibens? 

9. Schreiben von Betrügern sind oft voller Rechtschreibfehler – auch mit der deutschen Grammatik stehen einige Verfasser auf Kriegsfuß. Außerdem sind die Schreiben oft voller sonstiger,  offensichtlicher “Inkonsistenzen”: Die  Telefon-Vorwahl passt nicht zur Adresse, Die Vorwahl ist im Ausland, auch wenn das Unternehmen angeblich im Inland ansässig ist, der Ort passt nicht zum Bundesland, usw. Auch achtstellige Postleitzahlen (z.B. in der Absenderadresse, die angeblich in Deutschland liegen soll) gibt es noch nicht. 

Beispiel gefällig? In dem Schreiben hier geht’s schon beim Firmennamen im Briefkopf los…

Ein Beispiel für eine Rechnung, die wir nicht bezahlen würden …


10. Betrüger drohen mit allen möglichen schlimmen Dingen: Haft, Gerichtsvollzieher, Schufa-Eintrag, Hausbesuchen, Pfändung von Gehaltskonten oder Rentenzahlungen usw.
Dazu ein Beispiel gefällig? 

„Aus diesem Grund wird Sie am [Datum], um [Uhrzeit] unser Inkasso-Außendienst-Team besuchen, um Ihre Wertgegenstände zu pfänden…“

Türlich.

Aber Achtung: Auch seriöses Inkasso neigt gelegentlich zur eher „robusten Tonalität“ im Anschreiben an die “Schuldner”. Auch wenn in Deutschland Formulierungen eigentlich verboten sind, die den Tatbestand einer Bedrohung oder Nötigung erfüllen,  sind Strafverfolgungen die Ausnahme. Auch, weil Inkassounternehmen mit geschickten Formulierungen Straftaten vermeiden. Und auch das Geltendmachen von Phantasiegebühren ist (leider) kein Anhaltspunkt für einen echten „Inkassobetrüger“…

Aktuelle Warnungen vor Inkasso Abzocke
Vor folgenden Inkassounternehmen haben die Verbraucherzentralen in den letzten Monaten gewarnt (Updated): 

SPM-InkassoInkassobüro Aleksander & Co KG
Portex Inkasso GmbH
PROEX Inkasso GmbH (und EXPRO Inkasso AG, PORTEX oder Plus AG
SAS Pro Inkasso GmbH (und FED Inkasso AG)

Im Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels haben wir für diese Inkassounternehmen auch keine Registrierung im Rechtsdienstleistungsregister  gefunden 

Inkasso seriös oder Abzocke – was tun?

Auch wenn keine Anzeichen für einen Betrugsfall (“Abzocke”) vorliegen, solltest du prüfen, ob das Inkasso seriös ist und Forderung und Inkassokosten begründet sind. Dies kannst du mit unseren Checklisten (unten) oder auf den Seiten der Verbraucherschutzverbände machen.

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